Auf Spurensuche  

Seit langem hatte ich die Idee mich auf die Spuren der Modellautoproduktion in Annaberg-Buchholz und Umgebung zu begeben. 17 Jahre nach der Wende, etliche Jahre nach Ablegung des Namens „ESPEWE“ – was ist noch zu finden? Was ist noch zu erfahren?

Annaberg-Buchholz ist eine Kleinstadt im Erzgebirge, ca. 50 km südlich von Chemnitz. Wie der Ortsname vermuten läßt, ist Annaberg-Buchholz durch Zusammenlegung der Orte Annaberg und Buchholz  (1945) entstanden.

Die historische Entwicklung ist auf der Seite www.annaberg-buchholz.de genauer beschrieben. Leider findet man recht wenig zur Entwicklung des Ortes im letzten Jahrhundert. Hier einige Bilder bzw. Postkarten:

Annaberg-Buchholz in den Jahren:  

           1918

 

ca. 1950

und ca. 2000-2006

 

Leider gibt es kein Heimatmuseum in  Annaberg-Buchholz, dass wäre für mich die erste Anlaufstelle gewesen. Also habe ich in der Touristinformation gefragt und Einheimische auf der Straße angesprochen. So bekam ich die ersten Informationen. Die Produktion der Modelle fand im Ortsteil Buchholz statt. Und „ESPEWE“ ist eigentlich gar nicht mehr bekannt: „Sie meinen PLASICART?“ , war regelmäßig die Antwort.

Das Hauptproduktionsgebäude ist irgendwann nach der Wende (1999 oder 2000) abgebrannt. Es stand leer, war ungenutzt. In der kalten Jahreszeit wurde das Gebäude wahrscheinlich von Obdachlosen benutzt, eine offene Feuerstelle, da fackelt leicht etwas ab...

Heute steht an dieser Stelle eine moderne Berufsschule. 

Bei der Ortsbesichtigung im Stadtteil Buchholz entdeckte ich dann auf der gegenüberliegenden Talseite doch noch ein altes, leeres Fabrikgebäude. Gut zu lesen ist die Aufschrift: „Modell- und Plastspielwaren Kombinat“.    

 

 

 

 

 

 

 

Natürlich kommt man nicht auf das Firmengelände, aber es findet sich noch ein alter Firmenname:

Das DDR-Unternehmen „PLASTICART“ war ein Nachfolgeunternehmen von ESPEWE. Den Namen „PLASTICART“ gibt es heute noch. Nach vielen Schwierigkeiten gelang es dem Unternehmer, Herrn Manfred Wader 1993 Teile der Produktion zu übernehmen.

Mit dem alten Firmennamen bestehen aber ansonsten keine Verbindungen. Die Produktion wurde in das wenige Kilometer von Annaberg-Buchholz entfernte Elterlein verlegt, es wird u. a. modernes Kinderspielzeug hergestellt.

 www.plasticart.de

Modellautos im Maßstab 1:87 stellt die Firma PLASTICART leider nicht her. Wohin die Produktionsmittel (z.B. die Formen) aus Annaberg-Buchholz kamen ist ungewiß, einige gingen noch zu DDR-Zeiten nach Berlin.

Zurück nach Annaberg-Buchholz.

Durch sehr glückliche Umstände habe ich eine Betriebschronik des VEB PLASTICART Annaberg-Buchholz erhalten. Diese Chronik ist zwar eine ideologische „Glanzleistung“ der zuständigen Parteigenossen, aber als Sammlerstück und Recherchematerial doch sehr wertvoll. Auch wenn viele Fragen offen bleiben. 

Wie zu DDR/SED-Zeiten üblich, kann man mit dem eigentlichen Parteigeschwafel nichts anfangen. Aber zwischen den Zeilen liest sich doch einiges heraus. 

Insgesamt entsteht der Eindruck, dass in der DDR im Laufe der Zeit das Fachwissen und –können sowie der unternehmerische Einsatz des Einzelnen nach und nach zunichte gemacht wurde. Ohne Rücksicht auf Verluste sollte alles auf „Parteilinie“ gebracht werden. Enteignungen, immer kleinere Produktpaletten, sinkende Qualität – alles wurde irgendwie als richtig bzw. als Erfolg verkauft.

Beispielhaft für die zurecht gelegten Erfolge ist ein Zitat aus der Betriebschronik:

Dem Bedarf der Bevölkerung entsprechend, begann der Betrieb 1968 mit der Entwicklung von Modellfahrzeugen aus Zinkguss. Das spezielle Anliegen bestand hierbei darin, durch Nachbildungen der Technik unserer Nationalen Volksarmee die patriotische Erziehung der Kinder zu unterstützen und die Bereitschaft zur Verteidigung unserer sozialistischen Heimat zu fördern.“

Es gab in der Bevölkerung sicherlich den Wunsch nach qualitativ hochwertigen und ansprechenden Modellen, wie den auch im Osten bekannten Matchbox-Autos. Aber keineswegs wünschten sich die normalen/einfachen Leute mehr und mehr Militärmodelle. Hier wurde vielmehr den Wünschen der Militärs entsprochen, die diese Modelle für ihre Sandkastenspiele nutzen. Wie oben zitiert, sollte der Anteil an Militärmodellen auch bei der vormilitärischen Entwicklung der Kinder/Jugendlichen einen Beitrag leisten.

Zivile Zinkgussmodelle gab es nur 2 ½ : die beiden Allis-Chalmers 260, Erdschrapper und Muldenkipper (direkt von Matchbox abgekupfert) und das Unterteil des heute so begehrten Skoda-Busses.

Militärmodelle aus Zink waren:

SIL 157, SPW 60, SPW 40; SPW 40 mit PALR, PT 76, PK 50 Takt. Rakete auf PT-76 Fahrgestell.

 

(Diese Seite wurde am 16.09.2006 erstellt.)

 

 

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